Und ein Teil von mir bleibt hier…

Für Lesefaule: Manchmal fühle ich mich, als würde ich auf meinen Lebensstationen Horcruxe hinterlassen. (Für alle nicht Harry-Potter-Belesenen: 1.) Lest die Bücher! 2.) Lest die Bücher! 3.) Der böse Lord Voldemort hat seine Seele in verschiedene Teile gespalten und in Gegenständen versteckt, die für ihn von Bedeutung waren.)

Genau drei Wochen bin ich wieder hier. Ich bin eingezogen, habe meinen Geburtstag ordentlich gefeiert, habe meine Kurse gewählt (Corporate Finance, Petroleum in International Relations, Social Network Analysis, Digital Disruption), habe mit meiner Masterarbeit (zumindest im Kopf) begonnen, und meine Liebe zu dem ganzen Wasser in und um Boston aufleben lassen. Lange Zeit wusste ich nicht, was ich Euch berichten sollte. Erst war ich müde, dann war ich beschäftigt, dann war ich unglaublich glücklich wieder hier zu sein. Das heißt aber nicht, dass ich nicht genauso glücklich war während meines Sommers in Deutschland. Und die einzige Analogie, die mir dazu einfällt, stammt (wie so oft) von Harry Potter. Ich verteile Horcruxe:

  • in Hamburg bei meiner besten Freundin, am Elbstrand in Övelgönne, im stickigen U-Bahn-Geruch, in einer Kugel Schmidt-Eis.
  • in Oberkochen beim Minigolf mit meinen Kollegen, bei einem Kicker-Match in der Kantine.
  • der Deutsche Sommer hat sich einen geschnappt – die Freilichtkinos, die Biergärten, die Grillabende, die Wildblumen, die Weinfeste.
  • in der Deutschen Ess- und Trinkkultur: Sekt-Aperol, kühler Weißwein, schwäbischer Wurstsalat, frisches Brot, alkoholfreies Hefeweizen, Zwetschgenkuchen mit Streuseln.
  • In den wunderbaren Gesprächen über Lebensmodelle, Ansprüche und die Suche nach dem Glück.
  • Im Wasser. Am Main, an der Fulda, am Fresh Pond, am Atlantik, am Charles River.
  • In der Vielfalt der Fletcher School: in Uni-Arbeitsgruppen, in der sich vier Nationen treffen, um ein Cash-Flow-Modell für einen Energieanbieter zu erarbeiten. In Freitagabend-Sportevents, in Wg-Dinnerabenden, die zu philosophischen Diskussionen bis tief in die Nacht ausarten; in Professoren, die sagen: Das wird schon!

Und so fühlt sich der Beginn des zweiten Masterjahres ganz anders an. Ich bin zu Hause in Boston. Momentan. Genauso wie ich zu Hause war im Sommer in Deutschland. Und so verteile ich meine Horcruxe an vielen Orten, in vielen Details. Und das ist auch gut so. Sie alle zusammen machen mich aus. Und zum ersten Mal, seitdem ich hier angekommen bin letztes Jahr, habe ich nicht mehr das Gefühl, dass ich mich entscheiden muss, was ich jetzt besser oder schlechter finde. Sondern einfach nur leben. Und Horcruxe verteilen.

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