Arbeiten in den USA: Greencard, H1-B und warum mein Papa ständig auf dem Dachboden rumkriecht

In den letzten Wochen haben viele meiner Freunde von einer Greencard gesprochen, wenn ich über meine anstehende Visums-Bewerbung gesprochen habe. Hier ein paar Erläuterungen und Anekdoten zum Thema Arbeiten in den USA.

Immigration

Greencard: Eine Greencard ist eine permanente Aufenthaltserlaubnis in den Vereinigten Staaten. Man erhält sie in der wohl bekannten Lotterie oder nach einigen Jahren beruflicher Tätigkeit in den USA.

OPT: Optional Practisioner’s Training. Alle Studenten, die einen Abschluss von einer US-Universität haben, dürfen anschließend in den USA arbeiten.

H-1B Arbeitsvisum:

  • Generelle Arbeitserlaubnis in den Vereinigten Staaten, die nur dann ausgestellt wird, wenn man bereits einen Job hat.
  • Das Visum ist an diesen Job gebunden und genau genommen bewirbt sich meine Firma für mich.
  • Mit diesem Visum darf ich Steuern zahlen und wohnen, habe aber sonst nicht viele Rechte, keine Sozialversicherung, kein Wahlrecht. Man nennt das so schön “taxation without representation”.
  • Die Bewerbungskosten belaufen sich für die Firma auf ca. $7000-10.000. Es gibt jährlich 65.000 Plätze und in starken Jahren vier mal so viele Bewerber.
  • Prozess: Bewerbungsbeginn ist am 1.April für eine Erlaubnis ab Oktober, meist schließen sie das Bewerbungsportal 48Stunden später, weil der Topf bereits mehrfach überzeichnet ist. Und jetzt kommt das Spannende: Alle Bewerbungen zu bearbeiten würde zu lange dauern, also hat das Department für Citizenship and Immigration Services (USCIS) beschlossen, zu losen. 65.000 Glückliche werden ausgelost, der Rest ist raus. Nach der Auslosung wird jede der gezogenen Bewerbungen akribisch überprüft. Das Kriterium, das zählt: Braucht die Firma wirklich mich oder kann dieser Job nicht auch von einer US-Amerikanerin erledigt werden? Für all diejenigen ohne Losglück heißt es: Hoffen auf einen Nachrückerplatz.
  • Meine Firma macht Software und holt sich gezielt Developer aus der ganzen Welt: In unserem New York City-Büro sind Kollegen aus Indien, Griechenland, Russland, Israel, Pakistan, Saudi Arabien. Das heißt, VMTurbo hat viel Erfahrung mit H1-B Bewerbungsunterlagen.
  • Meine Chancen? An guten Tagen spricht mein Anwalt von 40%, an den meisten fragt er mich, ob ich schonmal nach Wohnungen in London geguckt habe. Ach ja, das wisst Ihr noch gar nicht: VMTurbo hat ein Büro in London und eins in Toronto. Und obgleich Kanada’s Justin Trudeaux der absolute politische Superstar meiner Generation ist, würde ich doch gerne erstmal nach Europa zurückkehren und dann dort auf heißen Kohlen sitzen, falls die Briten sich für den Brexit entscheiden 😉

Und nun zum spannenderen Teil für die Lachmuskeln. Meine Mama hat immer gesagt: Ordnung ist einfach, wenn alles hat seinen Platz. Ich halte es jeher mehr mit „Wer Ordnung hält ist zu faul zum Suchen“ und das hat in den letzten Wochen zur Freisetzung einiger Stresshormone gesorgt. Die USA stehen Deutschland in Sachen Bürokratie in nichts nach: Ich musste neben dem üblichen Zeugniskrams Nachweise über alle Dokumente erbringen, die ich seit August 2013 erhalten habe. Jaaaa, das wusste ich auch seit August 2013. Nur: Vier Umzüge innerhalb Bostons und drei Umzüge meiner Kartons innerhalb Deutschlands machen das nicht einfacher. Zu allem Überfluss wollen meine US Behördenfreunde nun eine Kopie meines alten Visums von 2002 (als Nebenbemerkung: Ich habe einen offiziellen Schulabschluss in den USA gemacht, den ich nur habe machen können mit einem Visum. In meiner Welt heißt das: US Abizeugnis erübrigt Kopie Visum. In Behördenlogik heißt das: Diesen Rückschluss könne man zwar ziehen, müsse man aber nicht.)

Nach erhitzten Gesprächen mit dem Deutschen Konsulat in Boston das mir jegliche Unterstützung in für mich mittlerweile ungewohnter Deutscher Rüpelichkeit verweigert hat, bin ich nun in regem Austausch mit dem US-Konsulat in Frankfurt. Während dieser ganzen Zeit kriechen mein Vater und meine Stiefmama in regelmäßigen Abständen auf dem Dachboden rum, um Kartons zu durchsuchen, die ich zu gegebenen Zeiten nach der Methode „alles rein, ich sortiere das, wenn ich mal richtig Zeit habe“ gepackt habe. Als ich neulich meinen Koffer für ein Wochenende in Nashville gepackt habe, fielen mir einige Ordner in den Schoß, unter anderem einer mit der Aufschrift „Visa-Unterlagen“. Und obwohl Mama mit ihrem Credo wohl Recht hat, diese unerwarteten Glückshormone hat sie nicht, wenn sie einen Ordner an seinem Platz findet. 😉

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