Hier bin ich, und hier bleibe ich!

Seit Wochen schreibe ich Blogideen in mein Notizbuch: Wie es ist, in einem Startup zu arbeiten, wie herrlich die ersten Strandtage in Neuengland sind, wie ich mich gefuehlt habe, als ich mein Arbeitsvisum erhalten habe. Aber alle Notizen nuetzen nichts, meine Schreibmuse hat mich voruebergehend verlassen…oder ich ziehe den Strand dem Schreiben vor. Deswegen starte ich heute einfach wieder von vorne, und zwar mit Bildern, Bildern der Woche, Bilder des Tages…und was sie mir bedeuten:

Schon wieder ein Sonnenuntergang (Gaehn…) 

Jeden Abend andere Farben, andere Wolkenspiele, eine andere Stimmung. Und jeden Abend halte ich kurz inne, atme und laechle, weil ich hier sein kann, und will. Der Himmel ist bestimmt auch in Berlin oder Kassel oder Stuttgart manchmal so gewesen. Aber hier zieht er mich in seinen Bann, jeder bloede Sonnenuntergang…ich habe letzte Woche mein H1-B-Arbeitsvisum erhalten, gueltig bis 2019. Erst wollte ich weinen, dann lachen. Dann war ich einfach nur dankbar. Und seitdem erfuellt mich eine gewisse Ruhe. Dass ich jetzt einfach erstmal hier bin. Und hier bleibe, bis ich nicht mehr hier sein will.

Sonnenuntergang_July

Beacon Hill, 4.Juli 

Ich habe am 4.Juli einen langen Spaziergang durch Boston gemacht und einfach nur die Stimmung in mich aufgesaugt. Ein heisser Sommertag, viele Flaggen, Hunde mit US-Leinen, gegen Nachmittag Horden von Menschen mit Bier und Decken auf dem Weg Richtung Charles River, um nachts bei Konzerten und Feuerwerk den US Geburtstag zu feiern. Dieses Bild ist bei mir zu Hause und es zeigt sehr gut, wie Beacon Hill ist. Beschaulich, sauber, ruhig, wie ein kleines Dorf in einer Stadt.

 

Beacon Hill_July4th

Lottery-Luck! I made the H1-B cap

***Visa-News***

Today I received the news that my H1-B work visa application made it through the lottery. 233000 people applied for H1-B this year, but only 65000 (plus 20000 with a Master’s degree) are drawn. And I am one of the lucky ones.

What does that mean?

Now it is on my company to show that I am qualified for my job.

There is a really great website, in case you want to apply for H1-B or you want to understand how the American government handles immigration: H1-B Website.

Fingers crossed! I will keep you updated.

 

Tooi hat Losglueck, ein Schritt weiter Richtung Arbeitserlaubnis

***Visums-Neuigkeiten***

Heute habe ich die Nachricht von unserem Firmenanwalt erhalten: Meine Bewerbung um eine Arbeitserlaubnis (oder vielmehr die Bewerbung meiner Firma) hat es durch die Lotterie geschafft. Auch in 2016 gab es wesentlich mehr Bewerbungen als Plaetze, 233000 Bewerbungen fuer 65.000 Plaetze. Fuer mehr Informationen lohnt sich ein Blick auf diese H1-B Webseite.

Am 13. April war die Losung und Tooi hatte Losglueck ;-). 

Was heisst das? Nicht zu frueh freuen, aber ein wichtiger Schritt. Ab jetzt ist es in der Hand der Firma und nicht mehr abhaengig vom Losglueck. VMTurbo muss beweisen, dass ich besser fuer die Stelle geeignet bin als Amerikaner.

Drueckt mir die Daumen!

 

The small things

I have this sunny saturday Boston tradition: After my 90′ endurance workout, while walking towards the Boston market along the waterfront I am usually on the phone with my Dad or Mom or sister, catching up on life. It is a scenic walk with a brisk ocean breeze in your face, almost always sunny. At the market, you can get veggies and fresh caught fish and by now the people at the market know me. As much as I love the anomity of a city, the fact that the farmlady calls me “honey” and knows what I am buying makes me feel very much at home!

Yet as of lately, since I learned that I would have to cancel my trip back home, every time I get off the phone with family in Germany, I have this lump in my throat. And although I love freshly shucked oysters, all I want right now is fresh German bread with German (or Irish) butter, a Hefeweizen and all of that while I am sitting outside :-).

When I first felt that way, I thought I was homesick. But the longer I think about it, I subconsciously feel trapped. Although it was my dream to find a company to sponsor my H1-B application, the very fact that I am not allowed to leave this country without giving up that chance feels like a deep cut into my freedom of movement.

And that makes me realize that I do not function as well as I am used to functioning when I feel this way. At the same time, it makes me appreciate the small things: That I will be able to go back soon, that I receive packages from Germany with my top ten list of things that I have a very hard time living without, that I can live stream German radio all day long to get a sense of what is going on in Europe (something that is not captured well in the international news) and that despite the distance I have a wonderful family supporting me.

Arbeiten in den USA: Greencard, H1-B und warum mein Papa ständig auf dem Dachboden rumkriecht

In den letzten Wochen haben viele meiner Freunde von einer Greencard gesprochen, wenn ich über meine anstehende Visums-Bewerbung gesprochen habe. Hier ein paar Erläuterungen und Anekdoten zum Thema Arbeiten in den USA.

Immigration

Greencard: Eine Greencard ist eine permanente Aufenthaltserlaubnis in den Vereinigten Staaten. Man erhält sie in der wohl bekannten Lotterie oder nach einigen Jahren beruflicher Tätigkeit in den USA.

OPT: Optional Practisioner’s Training. Alle Studenten, die einen Abschluss von einer US-Universität haben, dürfen anschließend in den USA arbeiten.

H-1B Arbeitsvisum:

  • Generelle Arbeitserlaubnis in den Vereinigten Staaten, die nur dann ausgestellt wird, wenn man bereits einen Job hat.
  • Das Visum ist an diesen Job gebunden und genau genommen bewirbt sich meine Firma für mich.
  • Mit diesem Visum darf ich Steuern zahlen und wohnen, habe aber sonst nicht viele Rechte, keine Sozialversicherung, kein Wahlrecht. Man nennt das so schön “taxation without representation”.
  • Die Bewerbungskosten belaufen sich für die Firma auf ca. $7000-10.000. Es gibt jährlich 65.000 Plätze und in starken Jahren vier mal so viele Bewerber.
  • Prozess: Bewerbungsbeginn ist am 1.April für eine Erlaubnis ab Oktober, meist schließen sie das Bewerbungsportal 48Stunden später, weil der Topf bereits mehrfach überzeichnet ist. Und jetzt kommt das Spannende: Alle Bewerbungen zu bearbeiten würde zu lange dauern, also hat das Department für Citizenship and Immigration Services (USCIS) beschlossen, zu losen. 65.000 Glückliche werden ausgelost, der Rest ist raus. Nach der Auslosung wird jede der gezogenen Bewerbungen akribisch überprüft. Das Kriterium, das zählt: Braucht die Firma wirklich mich oder kann dieser Job nicht auch von einer US-Amerikanerin erledigt werden? Für all diejenigen ohne Losglück heißt es: Hoffen auf einen Nachrückerplatz.
  • Meine Firma macht Software und holt sich gezielt Developer aus der ganzen Welt: In unserem New York City-Büro sind Kollegen aus Indien, Griechenland, Russland, Israel, Pakistan, Saudi Arabien. Das heißt, VMTurbo hat viel Erfahrung mit H1-B Bewerbungsunterlagen.
  • Meine Chancen? An guten Tagen spricht mein Anwalt von 40%, an den meisten fragt er mich, ob ich schonmal nach Wohnungen in London geguckt habe. Ach ja, das wisst Ihr noch gar nicht: VMTurbo hat ein Büro in London und eins in Toronto. Und obgleich Kanada’s Justin Trudeaux der absolute politische Superstar meiner Generation ist, würde ich doch gerne erstmal nach Europa zurückkehren und dann dort auf heißen Kohlen sitzen, falls die Briten sich für den Brexit entscheiden 😉

Und nun zum spannenderen Teil für die Lachmuskeln. Meine Mama hat immer gesagt: Ordnung ist einfach, wenn alles hat seinen Platz. Ich halte es jeher mehr mit „Wer Ordnung hält ist zu faul zum Suchen“ und das hat in den letzten Wochen zur Freisetzung einiger Stresshormone gesorgt. Die USA stehen Deutschland in Sachen Bürokratie in nichts nach: Ich musste neben dem üblichen Zeugniskrams Nachweise über alle Dokumente erbringen, die ich seit August 2013 erhalten habe. Jaaaa, das wusste ich auch seit August 2013. Nur: Vier Umzüge innerhalb Bostons und drei Umzüge meiner Kartons innerhalb Deutschlands machen das nicht einfacher. Zu allem Überfluss wollen meine US Behördenfreunde nun eine Kopie meines alten Visums von 2002 (als Nebenbemerkung: Ich habe einen offiziellen Schulabschluss in den USA gemacht, den ich nur habe machen können mit einem Visum. In meiner Welt heißt das: US Abizeugnis erübrigt Kopie Visum. In Behördenlogik heißt das: Diesen Rückschluss könne man zwar ziehen, müsse man aber nicht.)

Nach erhitzten Gesprächen mit dem Deutschen Konsulat in Boston das mir jegliche Unterstützung in für mich mittlerweile ungewohnter Deutscher Rüpelichkeit verweigert hat, bin ich nun in regem Austausch mit dem US-Konsulat in Frankfurt. Während dieser ganzen Zeit kriechen mein Vater und meine Stiefmama in regelmäßigen Abständen auf dem Dachboden rum, um Kartons zu durchsuchen, die ich zu gegebenen Zeiten nach der Methode „alles rein, ich sortiere das, wenn ich mal richtig Zeit habe“ gepackt habe. Als ich neulich meinen Koffer für ein Wochenende in Nashville gepackt habe, fielen mir einige Ordner in den Schoß, unter anderem einer mit der Aufschrift „Visa-Unterlagen“. Und obwohl Mama mit ihrem Credo wohl Recht hat, diese unerwarteten Glückshormone hat sie nicht, wenn sie einen Ordner an seinem Platz findet. 😉