Was willst Du mal werden?

Wir nennen es “Home Stretch” – die letzten Wochen des Studiums. Home Stretch heißt nicht daran denken, dass in sechs Wochen ein neuer Lebensabschnitt beginnt und doch alles dafür tun. Heißt Masterarbeit schreiben bei vollem Stundenplan, Bewerbungen abschicken, Visum organisieren, Garbderobe für den Abschlussball und die Zeremonie kaufen. Gleichzeitig heißt Home Stretch innehalten, den Stift fallen lassen für ein Abendessen oder einen Ausflug mit Freunden, nicht die Motivation verlieren, und stetes Hoffen, dass es auch in Boston irgendwann aufhören wird zu schneien.

Es gibt Momente, die mich den Druck vergessen lassen. Ungewöhnliche Situationen, die mich daran erinnern, warum ich eigentlich hierhergekommen bin: Für ein besseres Ich.

Einen dieser Momente möchte ich mit Euch teilen:

Zu Anfang dieses Jahres ist ein wunderbarer Professor, Bill Martel, sehr plötzlich verstorben und am Freitag hat die Uni eine sehr emotionale Gedenkfeier veranstaltet. Bill Martel hat seinen Kampf gegen Leukämie verloren, bis zum Ende war er positiv und zuversichtlich. Er hat von zu Hause via Skype unterrichtet, seine Doktoranten begleitet, hatte stets Zeit für seine Studenten. Weil sie ihm wichtig waren.

Seine Freunde, Familie, Studenten und Kollegen teilten am Freitag Anekdoten mit uns, unter anderem haben wir erfahren, dass Bill ein Gedicht bei sich trug. Und dieses Gedicht möchte ich mit Euch teilen. Es thematisiert meines Erachtens Moral, die innere Haltung eines Menschen. Was willst Du mal werden?, fragen mich viele momentan und ich finde es erstaunlich, dass diese Frage stets in Bezug auf die Arbeitswelt bezogen wird. Ich habe meine beruflichen Ambitionen, aber in manchen Momenten möchte ich gerne antworten: Ein Mensch, der mehr zuhört als redet. Der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Ein Einsamer, der bereit ist, seine Moral gegenüber jedem zu vertreten.

IF (Rudyard Kipling)

If you can keep your head when all about you
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;
If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don’t deal in lies,
Or being hated, don’t give way to hating,
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

If you can dream—and not make dreams your master;
If you can think—and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build ’em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;
If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: ‘Hold on!’

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with Kings—nor lose the common touch,
If neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;
If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds’ worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that’s in it,
And—which is more—you’ll be a Man, my son!

Eiswasser übern Kopf?!

Für Lesefaule: Warum schütten sich in Amerika haufenweise Menschen Eimer mit Eiswasser über den Kopf? Das ganze heißt Icebucket Challenge und erzeugt momentan rasend schnell Aufmerksamkeit auf eine schreckliche Nervenkrankheit.

ALS oder Lou Gehrig´s Disease

ALS, das ist Amyotrophe Lateralsklerose, eine neurologische Krankheit: Eine Zerstörung der motorischen Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark führt zu Muskelschwund. Es gibt derzeit keine Heilung, Erkrankte sterben meist an einer Zwerchfell-Lähmung, sie ersticken.

Icebucket Challenge  

Du hast die Wahl: Einmal herausgefordert musst Du Dir innerhalb von 24Stunden einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf schütten oder 100$ an die ALS Foundation spenden. Der Boston College Baseball-Spieler Pete Frates erhielt 2012 die Diagnose ALS und nominierte sich Mitte Juli 2014 selbst für den Challenge, und viele seiner Sportskollegen. Von Boston auch hat sich der Challenge vor allem in Amerika verbreitet:

"The Atlantic" zeigt, wie sich der Icebucket Challenge online verbreitet

Und was ist seitdem passiert?

  • die ALS foundation erhielt vom 29.Juli bis 16.August 11,4 Mio. Spenden. Im selben Zeitraum 2013 dagegen nur 1,7 Mio!
  • Witzig:
    • Ethal Kennedy, die Frau von Robert Kennedy, hat von Cape Cod aus Präsident Obama herausgefordert. Er twitterte, dass er sofort spenden würde.
    • Bill Gates hat sich eine Maschine gebaut für den Icebucket Challenge.
    • Boston hat einen Massen-Icebucket letzten Donnerstag veranstaltet und andere große Städte herausgefordert.
    • Ja, auch mich hat´s erwischt: Mein Studienfreund Mark hat mich diese Woche herausgefordert und ich habe pariert: Icebucket Challenge Franzi

 

  • 118.000Tweets zum #icebucketchallenge seit 15.Juli 2014.
  • “ALS” oder “Amyotrophic lateral sclerosis” wurde seit dem Icebucket challenge deutlich mehr gesucht, wie der Google Trend zeigt:

Google Trend zu ALS in den letzten 12 Monaten

 

Natürlich kann der Icebucket Challenge die Erkrankten nicht heilen, aber er schafft Aufmerksamkeit und sorgt für ein erhöhtes Spendenaufkommen. Für mich persönlich bedeutet er aber auch noch etwas Anderes: Wie die digitale Welt Grenzen jeder Art ausblenden kann. Ich wurde von einem Mensch in Amerika herausgefordert; ich habe etwas mit Mark Zuckerberg, Justin Timberlake und Bill Gates gemeinsam und ich kann sofort sehen, wie viele andere Menschen auch mitmachen. Raum, Zeit oder Hierarchien spielten hier keine Rolle.

 

Projekt Würzburg – Kassel

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